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AuGuS-Theater Neu-Ulm

Unkonventionelles Theater mit erstaunlichen Folgen

Theaterabende "Ohne Netz ..." - Theatrale
Readymades - Ein Ergebnis: die Ulmer Lobbycard

Vor knapp 40 Jahren begann das Theater-Ensemble, in dem das Theatermacher-Duo Claudia Riese / Heinz Koch viele Jahre mitgearbeitet hat, absolut ungewöhnliches Theater zu machen: Das Publikum wurde häufig aus der passiven Nur-Zuschauer-Rolle geholt und aktiviert. Sei es, dass es vor der Vorstellung aus den angebotenen Versatzteilen das Bühnenbild schuf, sei es, dass es den Fortgang des Bühnengeschehens bestimmen konnte.

Im AuGuSTheater Neu-Ulm haben wir auf unterschiedliche Weise diese Theaterarbeit fortgesetzt. Wir haben für einen bestimmten Aspekt dieser unkonventionellen Arbeit den Begriff "Readymades" (Marcel Duchamp) entlehnt:

Bei den experimentellen Theater-Abenden unter dem Titel "Ohne Netz ..." werden Tabu-Themen wie Tod, Sterben, Knast, Folter, Armut, Fremdsein in einmaligen Aufführungen auf die Theater-Bühne gebracht, Texte, Szenen, Musik und Gespräche wechseln.

Dabei wurde und wird weitgehend auf Schauspieler(innen) verzichtet, es werden "Spezialisten" eingesetzt, reale Menschen werden zu Repräsentanten ihrer selbst: Knastis sind Knastis und Arme sind Arme, über den Tod spricht ein Beerdigungsunternehmer, über Folter ein Gefolteter etc. Es entstanden bisher: Sehr eindrückliche Abende, von denen einer dazu geführt hat, daß die Stadt Ulm eine "Lobby-Card" für solche Bürgerinnen und Bürger eingeführt hat, welche nicht viel Geld haben und mit dem Vorzeigen dieser Karte in allen möglichen Einrichtungen und bei allen möglichen Gelegenheiten günstiger wegkommen.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es in Ulm nun diese Lobby-Card. Auf die Fährte gebracht wurden wir durch "Mitspieler" aus Frankfurt bei unserem "Ohne Netz... arm". Es dauerte eine Zeit, aber wir blieben beharrlich und konnten schließlich auch die Ulmer Stadtspitze von dieser Idee überzeugen.

Leider ist es uns nicht gelungen, eine solche Card auch für den Landkreis und die Stadt Neu-Ulm zu realisieren. (Dafür bieten wir die gleichen Konditionen denjenigen, die den Familienpass haben.)

Aus dem Info-Faltblatt der Stadt Ulm:

"Die Lobby-Card - dahinter steckt eine ungewöhnliche Idee: Leuten mit wenig Geld soll in einer weitgespannten bürgerschaftlichen Aktion geholfen werden. Das Ziel: Auch wer über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügen kann und damit nach europäischer Definition als arm gilt, soll am öffentlichen und kulturellen Leben teilhaben können. Die Lobby-Card soll ihren ansonsten benachteiligten Inhaber(inne)n Türen öffnen, Rabatte ermöglichen, zu erschwinglichen Preisen verhelfen. Wer die Lobby-Card akzeptiert, hilft mit, die Folgen der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung abzufedern, versteht sich als Teil einer Lobby für die Leute, die sonst keine Lobby haben. Eine Utopie? Eine Schnapsidee? Ulm will neue Wege gehen. Die Lobby-Card ist ein neuer Weg!"

Der Kreis derer, welche eine Lobby-Card erhalten sollen, ist genau definiert. Es sind die Sozialhilfeempfänger(innen) und die Arbeitslosen sowie die Bezieher(innen) geringer Renten.

Die Lobby-Card wird durch das Sozial- und Jugendamt der Stadt Ulm für jeweils ein Jahr ausgestellt. Das Amt nimmt die Anträge entgegen und prüft, ob die Antragsteller(innen) die Voraussetzungen erfüllen. Das Amt hält in jedem einzelnen Falle fest, an wen eine Lobby-Card ausgegeben wurde. Der Inhaber soll sich mit seiner Lobby-Card zweifelsfrei ausweisen können. Deshalb wird sie mit Paßbild, Geburtsdatum und Unterschrift versehen sein.

Das Theater Neu-Ulm ist dabei:

Mit der Lobby-Card kostet die Vorstellung bei uns nur 5 Euro.

Publikumsstimmen